Nachgelagerte Besteuerung – Ein Vorteil?

Der Förderung in der Ansparphase steht die nachgelagerte Besteuerung der Riester-Rente in der Auszahlungsphase gegenüber. Die Riester Förderung ist daher als Steuerstundung bis zum Rentenalter zu verstehen.

Der eine oder andere „Vermittler“ bekommt manchmal Probleme, wenn er argumentieren soll, ob die nachgelagerte Besteuerung wirklich einen Vorteil darstellt.

In der Regel wird lediglich ein Argument vorgebracht: Ist der persönliche Steuersatz im Rentenalter niedriger als im Erwerbsleben, ist die nachgelagerte Besteuerung ein Vorteil.

In vielen Fällen wird es auch genau so sein. Sprich man verdient im Rentenalter weniger als im Erwerbsleben. Dadurch fällt der persönliche Steuersatz im Alter häufig niedriger aus, als der Steuersatz während des Berufslebens.

Umfangreiche Vermögenswerte, Leistungen aus betrieblicher Altersvorsorge und / oder Riester Rente können dieser Überlegung jedoch sehr schnell einen Strich durch die Rechnung machen.

Zudem steigt auch die Besteuerung der gesetzlichen Rente bis 2040 schrittweise an. Heißt: Ab 2040 ist die gesamte gesetzliche Rente zu versteuern.

Fakt ist: Die Förderung der Riester Rente ist nur eine Steuerstundung, respektive eine Steuerverschiebung ins Rentenalter.

Neben den persönlichen Steuersätzen in diesen zwei Lebensabschnitten ist daher vor allem auch der Renditeaspekt dieser Steuerstundung von Interesse. Die nachfolgenden Ausführungen sind sehr umfangreich, Sie können natürlich auch direkt zum Fazit springen.

Renditen dank Zinsesszins auf Riester Förderung

Durch die Riester Förderung Ihnen heute Gelder zur Verfügung, die Sie normalerweise nicht zur Seite legen könnten. Dank Zulagen und Steuervorteile können Sie also schlichtweg mehr in Ihren Riester Vertrag einzahlen.

Am anschaulichsten ist sicherlich ein Beispiel:

Dazu legen wir gedanklich einmal die Grundzulage als Sparplan über eine Ansparphase von 30 Jahren mit einer Verzinsung von 4 % p.a. an.

Beispielrechnung:

Einzahlungen über 30 Jahre 154 p.a. 4.620 Euro
Zinsen nach 30 Jahren 4 % p.a. 4.362 Euro
Ablaufsumme des Sparplans  8.982 Euro

 

Um die Auswirkung der Förderung zu verstehen, bietet sich eine gedankliche, förderschädliche Kündigung an. Nehmen wir an, Sie kündigen Ihren Riester Vertrag nach 30 Jahren und haben jedes Jahr oben dargestellte Grundzulage und Zinsen erhalten.

Bei einer förderschädlichen Kündigung müssen Sie nun die erhaltenen Zulagen in Höhe von 4.620 Euro zurückzahlen.

ABER: Die 4.362 Euro Zinsen dürfen Sie behalten!

Natürlich müssen Sie die Zinsen selbst versteuern. Das „wie ist zu versteuern“ hängt von vielen Faktoren ab, daher lassen wir diese Betrachtung der Einfachheit halber an dieser Stelle außen vor. Doch selbst bei maximalem Steuersatz – so dieser denn überhaupt Anwendung findet – verbleibt ein Gewinn von mehr als 2.000 Euro.

Zulagen und Steuerersparnis über lange Laufzeiten

Nun haben wir zunächst isoliert und beispielhaft die Entwicklung der Grundzulage betrachtet. Tatsächlich ergibt sich Ihre persönliche Riester Förderung aber aus Ihrer individuellen Fördersituation.

Wir betrachten daher im nachfolgenden Beispiel eine konstruierte Fördersituation:

  • Alleinstehender, 45.000 Euro Bruttoeinkommen
  • Laufzeit der Riester Rente, 30 Jahre bis zum Rentenbeginn
  • Angenommene Rendite des Riester Vertrags, 4 %

Der Einfachheit halber gehen wir davon aus, dass unser Sparerbeispiel über die gesamte Laufzeit immer 4 % seines Bruttos abzüglich den 154 Euro Zulagenanspruch einzahlt.

Rechnung: 45.000 / 100 * 4 = 1800 Euro … 1800 Euro – 154 = 1646 Eigenbeitrag

Die Fördersituation stellt sich wie folgt dar:

  • Eigenbeitrag Brutto 1.646 Euro
  • Grundzulage 154 Euro
  • Steuerförderung 498 Euro

Das heißt im Klartext:

  • In den Vertrag fließen 1.800 Euro pro Jahr
  • Der Sparer wendet 1646 – 498 Steuererstattung = 1.148 Euro selbst auf (Nettobeitrag)
  • effektive Förderung 57 %

Beispielrechnung:

Einzahlungen über 30 Jahre 1.800 p.a. 54.000 Euro
Zinsen nach 30 Jahren 4 % p.a. 50.991 Euro
Ablaufsumme des Sparplans 104.991 Euro

Nun wissen wir, was am Ende unseres beispielhaften Sparplans dank Förderung und Eigenbeiträgen tatsächlich als Ablaufsumme zu erwarten ist. Das müssen wir gedanklich nun einem Sparplan gegenüberstellen.

Heißt, wir legen 1.148 Euro Nettobeitrag über 30 Jahre an und wollen nun wissen, welcher Zinssatz benötigt wird, um auf 104.991 Euro Ablaufsumme zu kommen.

Ich mach es kurz und verrate Ihnen, Sie würden einen Zinssatz von 6,47 % benötigen. Sie generieren im obigen Beispiel durch die Förderung also einen zusätzlichen Zins von 2,47 % pro Jahr. Bei einer Verzinsung von 4 % auf die 1.148 Euro jährlichen Sparbeitrag ohne Förderung würde sich nur eine Ablaufsumme von 66.960 Euro ergeben.

Nun stehen uns wieder zwei Möglichkeiten offen:

  • Entweder wir verrenten den Riester Vertrag regulär, dann zahlen wir Steuern auf die volle Rentenleistung
  • Oder wir lösen den Riester Vertrag förderschädlich auf

Fangen wir mit der förderschädlichen Verwendung an:

  • Wir haben 30x 1.148 Euro selbst eingezahlt = 34.440 Euro
  • Wir haben 30x (154+498) Euro Förderung erhalten = 19.560 Euro

Wir haben eine Ablaufsumme von 104.991 Euro und müssen nun durch die förderschädliche Verwendung die Vorteile in Höhe von 19.560 Euro zurückzahlen. Es verbleiben also immernoch 104.991 – 19560 Euro = 85.431 Euro vor Steuern.

Von diesen 85.431 Euro müssen wir Eigenbeiträge von 34.440 Euro abziehen, ergibt 49.991 Euro zu versteuernde Zinserträge. Unterstellen wir vereinfacht einen Grenzsteuersatz von 42 %, müssen wir 20.996 Euro Steuern zahlen.

Es verbleiben 85.431 – 20.996 = 64.435 Euro

Im Klartext heißt das: Nach Steuern bleibt etwa so viel übrig, wie Sie ohne die Förderung VOR STEUERN als Ablaufsumme hätten generieren können.

Natürlich sind die jeweiligen steuerlichen Annahmen individuell zu betrachten, die Darstellungen hier sind stark vereinfacht.

Und wie sieht es jetzt mit der regulären Verrentung aus?

Diese Frage ist noch sehr viel schwerer zu beantworten, als die obige Darstellung im Beispiel förderschädliche Verwendung.

Wir müssten berücksichtigen, wie das Vertragsguthaben verrentet und ob das Kapitalwahlrecht von 30 % ausgeübt wird. Zudem müssten die Erträge in der Rentenphase mit berechnet und gemäß der Verrentungsgrundlagen berücksichtigt werden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Eine solche Betrachtung sprengt den Rahmen einer Darstellung auf diesen Seiten.

Wollte man die Überlegung extrem stark vereinfachen, könnte man für die Ablaufsumme einen persönlichen Steuersatz unterstellen. Nehmen wir an, wir müssten 30 % unserer kompletten Ablaufsumme versteuern. Auch dann bliebe eine Leistung weit oberhalb von dem, was wir ohne Förderung vor Steuern hätten erreichen können.

Fazit zur nachgelagerten Besteuerung

Wenn Sie sich tatsächlich durch den gesamten Artikel gequält haben, gebührt Ihnen ein hohes Maß an Respekt und Anerkennung. Nötig wäre das eigentlich gar nicht gewesen, man kann den ganzen Beitrag auf ein paar wenige Grundaussagen zusammenfassen:

Die Nachgelagerte Besteuerung ist von Vorteil wenn,

  • der Steuersatz im Alter unter dem Steuersatz während des Erwerbslebens liegt und
  • durch die Wahl eines geeigneten Riester Produkts eine attraktive Rendite erzielt wird.

Allein aus der Riester Förderung heraus ist kein Riester Produkt interessant. Das Riester Produkt selbst muss zur individuellen Situation passen und eine sichere, zugleich aber attraktive Rendite nach Kosten bieten!