Riester-Rente Riester Blog Riester Fondssparpläne Kritik an Riester Fondssparplänen im Social Web?

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Kritik an Riester Fondssparplänen im Social Web?

Im Internet wird ja bekannterweise jeden Tag eine andere "Sau" durchs Dorf getrieben. Jüngst hat erst der jetzt ehemalige Verteidigungsminister die Kraft der Meinungsplattform Internet zu spüren bekommen. Etwas erstaunter war ich dann aber, als ich über Kommentare auf Nachrichtenportalen, Twittermeldungen und Forenposts bei Xing gestolpert bin - bei denen es witzigerweise um Riester Fondssparpläne ging.

Riester ist sicherlich weder trendy noch sexy und eine Plagiatsaffäre muss Walter Riester wohl auch eher nicht erwarten. Insofern hab ich mal einen Blick und schließlich auch einen Kommentar riskiert und musste feststellen, dass Kritiker zuweilen recht kritikunfähig sein können.

Kritik an Riester Fondssparplänen im Social Web?

Die Riester Rente ist sicherlich ein Thema, bei dem es zahlreiche völlig Ahnungslose, Befürworter und Kritiker gibt. Alle drei Personengruppen neigen regelmässig zu Übertreibungen, insbesondere auch im Web. Da Riester aber weder trendy noch sexy ist und Walter Riester wohl auch keine Plagiatsaffäre bieten kann, war ich dann doch etwas überrascht, das Thema Riester Fondssparplan auf Xing, in Kommentaren und bei Twitter wiederzufinden.

Also habe ich glatt mal einen Blick risikiert und bin schließlich bei einem Blogpost eines Maklers / Honorarberaters hängen geblieben. Der Titel klang einladend: "Riester-Fondssparplan – die eierlegende Wollmilchsau?" Der erste Absatz ließ zunächst einmal auf einen differenzierten und eher kritischen Beitrag schließen.

Schon im zweiten Absatz wurde ich jedoch stutzig. Da war auf einmal von "i.d.R. nicht öffentlich gehandelten Dachfonds" die Rede. Es würde also mit ziemlicher Sicherheit praktisch DWS Produkte gehen. Andere Anbieter wie die Sparkasse verwenden zwar ähnliche Konstruktionen (nur was interessiert einen Makler die Sparkasse?), einige größere Anbieter wie Union Investment / ebase / Comdirect haben jedoch keine solchen Dachfondskonstruktionen. Dennoch war ich recht optimistisch, da im Weiteren schon eine Grafik zur statistischen Lebenserwartung zu erkennen war und las weiter.

Ein Exkurs vom Makler über statische Lebenserwartung und unklare Verrentung

Wirklich neu waren die Ausführungen für mich nicht. Für den weniger versierten Leser sei aber kurz erklärt, um welches Problem es geht. Im Gegensatz zur Riester Rentenversicherung und der fondsgebundenen Variante ist die Verrentung bei Riester Fondssparplänen vergleichsweise wenig transparent für den Verbraucher.

Während Versicherer bereits bei Abschluss eine lebenslange Rentenzusage erteilen, verwenden Fondsgesellschaften (und auch Anbieter von Riester Banksparplänen) ganz unterschiedliche Modelle für die Abbildung der Ablaufleistung im Allgemeinen und über den 85. Geburtstag hinaus im Speziellen.

Die meisten Produkte kombinieren einen Auszahlplan mit einer Langlebigkeitsversicherung. Letztere wird beim Riester Fondssparplan aber erst in der Auszahlungsphase abgeschlossen. Das führt dazu, dass die langfristig steigende Lebenserwartung die Langlebigkeitsversicherung für junge Sparer (im Vergleich zu heute) zwangsläufig verteuern wird.

Das Problem als solches ist komplex und wird an anderer Stelle noch einmal ausführlicher beschrieben werden. Es sei jedoch vorab gesagt, es gibt positive und negative Aspekte in ganz unterschiedlichen Szenarien, ein pauschales Verdammen zu Gunsten der Versicherer ist keine differenzierte Betrachtung.

Darauf (eine differenzierte Betrachtung) schien der Herr Makler aber auch gar keine Lust zu haben. Er nahm einfach mal an, dass die Lebenserwartung für einen heute 35jährigen Mann bis Rentenbeginn um 4,7 Jahre steigen würde. Mit den Daten wollte er dann berechnen, was passiert, wenn man 1000 Euro mtl. Rente aus dem Riester Vertrag ziehen möchte.

Riester ist verdammt nochmal keine ganzheitliche Altersvorsorge

Hier sei nochmal ins Gedächtnis gerufen, dass Riester 2002 konzipiert wurde, um die Senkung des Rentenniveaus um 3 % abzufangen. Damals konnten maximal 525 Euro gefördert werden, heute ist es mit 2100 Euro das Vierfache. Wir können also von 3 % auf 12 % aufwerten. Damit 1.000 Euro Rente aus dem Riester Vertrag diesen 12 % entsprechen, müssen Sie also erst einmal rund 8300 Euro Rente bekommen. Sollte das der Fall sein, Glückwunsch meinerseits. Unabhängig davon lässt sich die Berechnung des Maklers natürlich auch mit realistischeren Zahlen nachvollziehen. Die Anmerkung zielt also vor allem darauf ab, die ohnehin wenig sinnvolle Annahme verständlich zu machen.

Im nächsten Schritt konstruierte er erst einmal ein paar Annahmen bzgl. der Verrentungsmodalitäten. So geht der 35jährige Mann aus dem Beispiel beim Makler mal spontan mit 65 Jahren in Rente, woraus sich 20 Jahre Laufzeit für den Auszahlplan bis zum 85. Geburtstag ergeben. Die Annahme kann man machen, in Anbetracht der Rente mit 67 (ab 2029) muss man das aber nicht.

Für diese Annahmen (100 Euro Rente, Alter, Lebenserwartung etc.) wurde festgelegt:

  • 150.000 Euro werden für den Auszahlplan gebraucht
  • 69.000 Euro werden für die Langlebigkeitsversicherung gebraucht

Macht in Summe 219.000 Euro Vertragsguthaben zu Rentenbeginn ...

Rechnen wir das kurz Korrektur: Derzeit können nur 2.100 Euro p.a. (Eigenbeitrag + Zulage) in den Riester Vertrag fließen, im Fallbeispiel über 30 Jahre. Für 219tsd Euro wären daher rund 7,35 % durchschnittliche Rendite p.a. notwendig. Berücksichtigt man die 2% TER (Kosten der Fonds) und vernachlässig alle anderen Kosten der DWS TopRente bspw., müssten durchschnittlich 9,35 % Rendite erzielt werden, um dieses Vertragsguthaben anzusammeln. Diese Annahme ist sehr optimistisch und sicherlich nicht zweckmässig.

Die bisher immer eher unglückliche Wahl des Zahlenmaterials wollen wir aber nicht über die Gebühr kritisieren, es geht ja um das Problem einer durch längeres Leben geschmälerten Ablaufleistung.

Die 69.000 Euro sind rund 31,5 % des gesamten Vertragsguthabens. Hier kommt die erste Zahl zu Stande, die ich auf jeden Fall ähnlich sehe. Bisher kommunizieren die Anbieter zwischen 10 und 20 % des Vertragsguthabens zu Rentenbeginn für die Langlebigkeitsversicherung zu entnehmen. Diese Quoten werden für jüngere Sparer nicht zu halten sein. Auch ich sehe eher einen Anstieg in Richtung 30 % des Vertragsguthabens.

Was heißt das jetzt wirklich?

Auf Basis des genannten Zahlenmaterials startet der Blogpost nun eine wüste Schimpftirade auf Riester Fondssparpläne - mit einigen Halbwahrheiten und unzulässigen Verallgemeinerungen. Am Ende tätigt der Autor die Aussage: "Wenn es eine Riester-Rente sein soll, dann gibt es je nach Kundenbedarf deutlich bessere Alternativen!" Welche Alternativen das sind, bleibt der Autor allerdings bedauerlicherweise schuldig.

Da es aber nur ein begrenztes Spektrum an Riester Produkten gibt und nur ein anderes Riester Produkt mit Fonds arbeitet, ist die Überlegung wohl relativ leicht zu Ende zu führen. Es kann sich im Vergleich eigentlich nur um eine Riester Fondspolice handeln.

Ich hab an anderer Stelle schon mehrfach betont, dass von Riester Fondspolicen schon allein aus Kostensicht meist nur der Versicherer profitiert, nicht aber der Sparer. Ein Vergleich wurde durch den Post allerdings regelrecht provoziert.

 

Der erste Denkfehler besteht bereits darin, eine Fondspolice überhaupt mit einem Fondssparplan zu vergleichen. Bei einer Fondspolice fließen nur Teile der Beiträge ins Fondsportfolio, andere Teile dienen der Abbildung von Garantien und der Sicherung der Beiträge. Bei einer Fondspolice werden praktisch so gut wie nie mehr als 60 % der Beiträge in Fonds fließen.

Zum Glück gibt es mit der db Förderrente ein zu den Riester Fondssparplänen des gleichen Konzerns durchaus vergleichbares Produkt. Die Rentengarantie der DB Förderrente sieht vor, dass je 10.000 Euro Vertragsguthaben 38,6 Euro Rente garantiert werden. Gemessen an den unterstellten 219.000 Euro Vertragsguthaben ergäbe sich also eine mtl. Rente von 845,34 Euro. Das sind gerade mal 84 % der Variante Riester Fondssparplan. Aber man kann sich auch als Makler durchaus mal irren ...

Das größere Problem besteht aber einfach darin, dass die Fondspolice gar nicht erst die gleiche Wertentwicklung haben kann. Zum Teil liegt das an den Abschlusskosten, die meist über die ersten 5 Jahre der Laufzeit verteilt belastet werden. Riester Fondssparpläne gibt es hingegen mit Rabatt auf Ausgabeaufschlag oder Abschlusskosten.

Doch selbst wenn die Kosten identisch wären (oder vernachlässigt würden), bliebe das Problem mit dem maximal 60 % Fondsanteil. Unterstellen wir jetzt selbst einmal ein paar diskussionswürdige Annahmen. So soll der festverzinsliche Teil (40 %) über die Laufzeit 4,5 % Rendite und der Fondsteil die als Basis angenommene Rendite von 7,35 % erwirtschaften. Dann ergäbe sich eine durchschnittliche Rendite von 6,21 % über die Laufzeit.

Durch die geringere Rendite sinkt aber auch das Vertragsguthaben von 219.000 Euro auf 178.084 Euro ab. Die Rentenzusage würde dann noch rund 688 Euro oder rund 69 % des Riester Fondssparplans betragen. Das gleiche Problem würde sich aber auch auf die Renditen während der Ablaufphase niederschlagen. Hier sind beispielsweise die Rentner der DWS TopRente noch zwischen 10 und 30 % in Aktienfonds investiert, der Rest wird über Rentenfonds abgebildet.

Bei der Fondspolice droht der Wechsel hin zu 100 % festverzinsliche Anlage. In Anbetracht eines Zeitraums von über 20 Jahren (65 + x), könnte das zu weiteren Renditeeinbußen führen.

Quelle:

http://www.mehrwertfair.de/blog/2010/10/08/riester-fondssparplan-die-eierlegende-wollmilchsau/

 

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