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| Mittwoch, den 05. Januar 2011 um 10:13 Uhr | ||||||||||||
Lebensversicherer sollen Garantiezinssatz senkenDas Bundesfinanzministerium will den Garantiezinsatz für Kapitalversicherungen von derzeit 2,25 % auf zukünftig 1,75 % senken. Das würde allle nach in Kraft treten der Regelung abgeschlossenen Kapitallebensversicherungen, private Rentenversicherungen und selbstverständlich auch Riester Rentenversicherungen betreffen. Die Versicherer scheinen mit dieser Planung jedoch gar nicht einverstanden. Schließlich ist der Garantiezinssatz eines der Hauptargumente für den Verkauf von Versicherungsprodukten. Der Assekuranz wäre eine Absenkung auf 2 % lieber, damit würde man sich immerhin noch auf dem Niveau der besten Tagesgeld Angebote bewegen. Die vorgeschobenen Argumente dafür sind aber eher unterhaltsam denn als ernsthaft anzusehen. Was ist eigentlich der Garantiezinssatz der Lebensversicherer?Genaugenommen gibt es eigentlich gar keinen Garantiezinssatz. Dieser heißt korrekterweise Höchstrechnungszins und wird für die Lebensversicherer im §2 der Verordnung über Rechnungsgrundlagen für die Deckungsrückstellungen (DeckRV) festgelegt. Der Höchstrechnungszins wird anhand der durchschnittlichen Umlaufrenditen 10 jähriger Staatsanleihen vom Finanzministerium festgelegt. Er darf maximal 60 % dieses Wertes betragen. Dem Sparer wird dieser Höchstrechnungszins als Garantiezins verkauft. Das heißt im Klartext aber nur, dass alle Beiträge abzüglich aller Kosten in jedem Fall wenigstens mit dem gesetzlichen Garantiezins verzinst werden. Da die zum Teil sehr hohen Kosten für Kapitalversicherungen praktisch immer in den ersten Jahren der Laufzeit belastet werden, ergibt sich in der Regel jedoch eine deutlich geringere garantierte Ablaufleistung, als man bei normaler Anlage der Beiträge auf einem Sparkonto zum Garantiezins erhalten würde. Der Höchstrechnungszins ist also keinesfalls eine brauchbare Garantie (wie es uns die Versicherer gern glauben machen würden) im eigentlichen Sinne, Verluste gegenüber einer herkömllichen Geldanlage zu selbigem Zins sind damit nicht ausgeschlossen. Der Garantiezins ist viel mehr eine Regulierung der Versicherungsbranche, die untragbar hohe Zinsangebote beim Kampf um Kunden vermeiden und so den Verbraucher grundsätzlich absichern soll. Entwicklung Garantiezinssatz seit 1942Nachfolgend eine kleine Übersicht zur Entwicklung beim Garantiezins seit 1942.
Einordnung, Bedeutung und Bewertung vom GarantiezinsDer Garantiezins wird fälschlicherweise im Wesentlichen als Verkaufsargument seitens der Versicherer gegenüber dem Verbraucher eingesetzt. Die garantierte Verzinsung soll eine sichere und profitable Geldanlage suggerrieren, über die Kostenproblematik wird der Verbraucher nur sehr selten wirklich umfassend aufgeklärt. Kurz vor einer bevorstehenden Absenkung der Garantieverzinsung auf 1,75 % ist mit Sicherheit wieder mit einer neuen Werbewelle ala "JETZ NOCH SCHNELL ABSCHLIEßEN" zu rechnen. Verbraucher sollten sich davon aber nicht beeindrucken lassen. Die Entwicklung des Höchstrechnungszins hat denkbar wenig Einfluß auf die Wertentwicklung einer Kapitalversicherung. Das liegt daran, dass zwischen Garantieverzinsung und tatsächlich erwirtschafteter Rendite ein beträchtlicher Unterschied besteht. Rund 90 % der Versicherungsgelder sind in fest verzinste Wertpapiere angelegt (Rentenpapiere / Anleihen von Staaten und Unternehmen). Deren durchschnittliche Rendite ist zwar seit 2008 ebenfalls deutlich gefallen, liegt aber nach wie vor deutlich über Garantiezins. Zur Erinnerung: Der Garantiezins soll ja maximal 60 % der durchschnittlichen Renditen 10jähriger deutscher Staatsanleihen betragen. Er liegt also von Natur aus unter der tatsächlichen Rendite von Rentenpapieren, zudem dürfen Versicherer natürlich auch in besser verzinste Wertpapiere investieren - beispielsweise Unternehmensanleihen.
Überschussbeteiligungen im SinkflugWesentlich aussagekräftiger für die Wertentwicklung einer Kapitalversicherung ist die Entwicklung der Überschussbeteiligungen. Der Garantiezins betrifft nur Neuverträge, wenn Sie beispielsweise 2002 abgeschlossen haben, erhalten Sie auch nach einer erneuten Absenkung nach wie vor die Garantieverzinsung von 3,25 %. Die Überschussbeteiligung gibt jedoch an, in welchem Maß der Anleger vom Anlageerfolg der Versicherer profitiert. Ist also eine Größe, von der aus man auf den Anlageerfolg des Versicherers wesentlich besser schließen kann. Nach Angaben von Brancheninsidern wird die durchschnittliche Überschussbeteiligung von 4,23 Prozent in 2010 auf lediglich 4,08 Prozent in 2011 sinken. Ab 2012 dürfte die 4 vor dem Komma nicht mehr zu halten sein. Tipps und Tricks zu Kapitalversicherungen und Riester RentenversicherungWer sich mit dem Gedanken trägt eine Kapitalversicherung oder speziell eine Riester Rentenversicherung abzuschließen, sollte sich nicht von versprochenen Garantiezinsen blenden lassen. Die wichtigste Kennzahl für die Rentabilität einer Kapitalversicherung ist die Kostenquote. Je geringer die Kosten ausfallen, desto höher ist tendentiell die erzielbare Rendite. Das spricht vor allem für die vergleichsweise günstigen Direktversicherer wie Cosmos Direkt, Europa und Hannoversche Leben. Des weiteren ist natürlich der historische Anlageerfolg des Versicherers eine Möglichkeit zur Orientierung. Die Renditen der Vergangenheit veröffentlichen zum Teil die Lebensversicherer selbst, sind aber auch regelmäßig bei großen Nachrichtenportalen wie zum Beispiel dem Handelsblatt oder der FAZ einsehbar. Beim Anlageerfolg kann der Versicherer jedoch beschönigen, in dem er zunächst Rücklagen bildet und diese in mageren Jahren wieder zu Gunsten des Kunden auflöst. Die Rendite der Vergangenheit ist also maximal eine Größe zur Orientierung für den unbedarften Anleger. Auch das Sparverhalten ist wesentlich wichtiger als der Garantiezins. So ist eine jährliche zahlweise bei Kapitalversicherungen fast immer wesentlich günstiger, als eine monatliche Zahlweise. Eine Ausnahme ist hier zum Beispiel die Debeka. Quellen zum Artikel: |



