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Dienstag, den 31. August 2010 um 11:23 Uhr

Aussterbende Arten - Die Basisrente

Die Zahl der Riester Neuabschlüsse wird traditionell jedes Quartal vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales präsentiert und kommentiert. Man ist stolz auf die inzwischen mehr als 14 Millionen Riester Renten. Auch wenn damit nach wie vor nur ein kleiner Teil der Riester Förderberechtigten eine Riester Rente besitzt.

Um die Basisrente - auch Rürup Rente genannt - ist es hingegen zunehmend still geworden. Die Politik hält sich mit Äußerungen zurück und die allmächtige Versicherungsbranche tut mangels attraktiver Umsätze das Gleiche.

Bis zum zweiten Quartal 2010 haben sich bisher gerade einmal 1,188 Millionen Bundesbürger für die Rürup-Rente entschieden. Also nur ein Bruchteil der 14 Millionen Riester Sparer. Auch bei den Neuabschlüssen hinkt die Basisrente der Riester Rente hinterher, denn die Zuwachsraten der letzten Jahren sind eindeutig negativ.

Es entscheiden sich also immer weniger Menschen zu "Rürupen" (kann man das so sagen?). Klar, über den ehemaligen Wirtschaftsweisen Rürup weiss man ja auch viel weniger, als über den sympathischen Fließenleger Riester. Daran wird es aber wohl nicht liegen.

Rürup Rente - Sehr viele Nachteile, sehr komplex

Während die Rahmenbedingungen für Riester in 2005 maßgeblich verändert wurden, ist das Rürup Konzept im Wesentlichen noch das Gleiche wie zur Einführung. So können Beiträge in der Ansparphase bis zu maximal 20.000 Euro Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Die Auszahlungen in der Ablaufphase werden dann besteuert. Im Prinzip ähnlich wie bei Riester, nur mit höheren Beträgen - könnte man meinen.

Das ist aber eben nur die halbe Wahrheit. So gibt es langsam ansteigende Prozentzahlen für den steuerwirksamen Teil der Einzahlungen und ebenfalls stufenweise, aber effektiv schneller steigende Prozentzahlen für den zu versteuernden Anteil der Auszahlungen. Um das einfacher zu formulieren: Für jüngere Menschen und mittleren Alters kann nur ein Teil der Beiträge wirklich steuerlich geltend gemacht werden, die Auszahlungen sind hingegen voll zu besteuern.

Aber auch das ist längst nicht das größte Problem will man meinen. So ist beispielsweise die Vererbbarkeit auch bei Rürup nicht klar geregelt, die Verfahrensweise unterliegt ausschließlich dem jeweiligen Produkt. Die Hartz 4 Sicherheit des Altersvorsorgevermögens ist auch kein wirklich schlagendes Argument.

Rürup ist für junge Menschen überhaupt nicht, für flexibel denkende Menschen gar nicht und für sehr gut verdienende Menschen praktisch gar nicht attraktiv. Für junge Sparer fehlt es an Flexibilität und durch die steuerlichen Regeln an Rendite. Die typische Zielgruppe der Selbstständigen und Freiberufler benötigt ein Höchstmaß an Flexibilität, dass praktisch so gut wie kein Rürup Produkt bietet. Und wer wirklich gut verdient, hat in der Regel vor allem aus renditetechnischer Sicht deutlich bessere Möglichkeiten als eine Rürup Rentenversicherung.

 

Vorsicht Selbstständige und Freiberufler

In Deutschland gibt es nach wie vor eine Vielzahl Selbstständiger und Freiberufler. Der Trend geht jedoch zunehmend weg davon, eine selbstständische oder freiberufliche Tätigkeit automatisch mit gutem Einkommen gleich zu setzen. Früher waren es oftmals vor allem Unternehmer, Ärzte, Rechtsanwälte und ähnliche Berufszweige. Spätestens seit der ICH AG war die Zukunft der Selbstständigkeit klar: Wenn man als Arbeitnehmer keine Chance hat, geht man halt staatlich gefördert in Selbstständigkeit.

Zugegeben, das ist etwas überspitzt formuliert. Das Problem ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, die Zahl der Selbstständigen und Freiberufler, die Ihren Lebensunterhalt nicht selbst decken können, wächst kontinuierlich. Wo soll also noch Geld für die private Altersvorsorge herkommen? Oder mal anders ausgedrückt, wozu steuern sparen, wenn man eh kaum was verdient?

Wenn man schon das Glück hat von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit zu sein, sollte man sich engagiert um den Aufbau privater Altersvorsorge kümmern können. Gefühlt tun das aber die Wenigsten und verschenken so einige Chancen. Auf jeden Fall scheint klar, wer als Selbstständiger oder Freiberufler für das Alter vorsorgt, nutzt dafür keine Basisrente.

 

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