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Donnerstag, den 12. August 2010 um 08:26 Uhr

Riester-Rente transparenter für Verbraucher machen

 

BMF will Riester Rente transparenter machen? Vorsorge-und-Finanzen.de greift den Artikel auf, lässt aber leider die mehr als willkürlichen Ausführungen ungeschoren.

"Grundsätzlich sieht das ZEW ein Problem darin, dass sich Sparer bei der Einschätzung der Kosten nicht an einheitlichen Angaben orientieren können."

Das man dafür ein Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung braucht ist sagenhaft. Natürlich sind die Angaben schon allein vom Vertragstypus (Versicherung, Fondssparplan, Banksparplan) unterschiedlich. Es käme ja auch kein Mensch auf die Idee für Hühnereier den gleichen Preis zu zahlen wie für Kaviar. Wobei es doch bei beiden um Nahrungsmittel, speziell Eier geht?

Betroffen sind insbesondere Sparprodukte auf Basis von Fonds- oder Banksparplänen. Diese machen einen Großteil der existierenden 13 Millionen Riester-Verträge aus. Einige Anbieter, so fand das ZEW heraus, verwirren Kunden mit unklaren Berechnungen.

Das erstaunliche ist, dass es tatsächlich Journalisten gibt, die so etwas veröffentlichen. Natürlich ist das mit der Aufführung der Kosten bei Riester Banksparplänen schwierig. Wo es keine Kosten gibt, kann man keine aufführen. Beim Riester Fondssparplan ist es erstaunlicherweise ja eher so, dass es das einzige Riester Produkt ist, bei dem die exakten Kosten offengelegt werden.

Was vermutlich gemeint war, ist die Rentengarantie. Die hat natürlich nur die Riester Rentenversicherung und ist zugleich Hauptargument der Versicherungsbranche (die vermutlich auch die Studie bezahlt hat). Aber dazu später noch einmal mehr.

Bundesministerium für Finanzen will Möglichkeiten prüfen

Bald könnte es für Verbraucher leichter werden, überteuerte Produkte zu erkennen. Das Finanzministerium hat signalisiert, eine Reform des Riester-Sparens im Sinne der ZEW-Empfehlung zu prüfen. Indes bleibt fraglich, ob die Finanzverwaltung die verwirrende Anzahl ihrer Vorschriften reduziert. Realistischer scheint, dass Anbieter zur einheitlichen Berechnung und Darstellung der Kosten verpflichtet werden. Hilfreich wäre überdies die vom ZEW vorgeschlagene offizielle Informationsbroschüre. Darin sollen die wichtigsten Daten aller Riester-Produkte inklusive Angaben über Anlagestrategie und Risikoprofil übersichtlich zusammengefasst sein.

Es mag ja nichts heißen, mir ist allerdings niemand bekannt, der sich jemals die Basisinformationen zur Geldanlage in Wertpapiere durchgelesen hat. Sehr wohl aber eine Vielzahl von Menschen, die ein Wertpapierdepot besitzen und bereits Aktien, Fonds oder ähnliche Geldanlagen besitzen. Kurz um, auch eine neu 50, 70, 100 seitige Broschüre die kein Mensch liest bringt rein gar nichts.

Fazit - Der heiße Tanz mit Riester

Das Vorurteil der mangelnden Transparenz bei der Riester Rente wird man so leicht nicht aus der Welt schaffen können, ändert nichts daran, dass es grundsätzlich falsch ist. Es gibt kein Produkt Riester Rente. Riester Rente ist nur ein umgangssprachlicher Begriff für die gesetzlich ganz klar definierte (AVmG, §§10a, 79 ff. Einkommenssteuergesetz), staatlich geförderte private Altersvorsorge.

Der Gesetzgeber schafft nur Rahmenbedingungen für förderberechtigte Finanzprodukte, bspw.:

  • nur 30 % Kapitalwahlrecht
  • lebenslage Leibrente
  • vollständige Beitragsgarantie (abzgl. Kosten)

Die gängige Einteilung der Finanzprodukte mit "Anspruch" auf Riester Förderung sieht wie folgt aus:

  • Riester Banksparplan
  • Riester Fondssparplan
  • Riester Rentenversicherung
  • Riester Bausparvertrag
  • Riester Darlehen

Wenn man vereinfacht gesagt einfach das Riester vor der Bezeichnung entfernt, gibt es die jeweiligen Produkte selbstverständlich ebenfalls am Markt. Es gibt normale Banksparpläne, Bausparverträge, Rentenversicherungen etc. etc..

Nichts anderes sind im Prinzip aber auch Riester Renten - einfach Finanzprodukte die zusätzlich gesetzlich geforderte Auflagen erfüllen müssen. An der Kostenstruktur und Produktkonzeption im Allgemeinen ändert das aber recht wenig. Es gab schon auf die Lebenszeit abgestimmte Fondssparpläne, lange bevor an den Börsen die .com Blase platzte.

Jedes Produkt hat bestimmte Eigenschaften in Bezug auf Kosten, Rendite und Ablaufleistung. Diese Begriffe dürfte auch kein Europäisches Institut für Wirtschaftsirgendetwas durcheinander werfen, tut es aber.

Riester Banksparplan - Kosten, Rendite, Ablaufleistung

Beim Riester Banksparplan hat man in der Ansparphase das grundsätzlich einfachste Finanzprodukt vor sich. Einzahlungen werden wahlweise mit Abschlag auf die marktüblichen Zinsen verzinst (Variabel - Bindung an Umlaufrendite) oder alternativ ähnlich einem Festgeld Sparplan treppchenweise mit laufzeitabhängigen Bonuszinsen vergütet.

Kosten entstehen genau wie bei Festgeld oder Tagesgeld bei fast allen Produkten keine. Die Anbieter finanzieren sich durch die Differenz vom gezahlten Zinssatz und dem seitens des Anbieters erzielbarem Zinssatz. Möglicherweise gibt es irgendwo in Deutschland eine "Kreisspaßkasse" die Kontoführungsgebühren erhebt. Im Regelfall ist aber selbst der Anbieterwechsel kostenlos - oder mit maximal um die 50 Euro recht kostengünstig.

Ein Problem tritt erst in der Auszahlungsphase auf. Um eine lebenslange Leibrente garantieren zu können, wird bei Rentenbeginn ein Teil der Ablaufleistung in eine private Rentenversicherung eingezahlt (sichert das Langlebigkeitsrisiko ab). Hier gibt es ganz unterschiedliche Regelungen von Anbieter zu Anbieter. Diese Variante ist aber in jedem Fall deutlich kostengünstiger als eine Riester Rentenversicherung.

Riester Fondssparplan - Kosten, Rendite, Ablaufleistung

Der Riester Fondssparplan ist in Bezug auf die Kosten recht transparent. Es fallen grundsätzlich Depotführungsgebühren (kann man vermeiden), Ausgabeaufschläge (kann man rabattieren lassen) und die Verwaltungskosten der im Sparplan enthaltenen Fonds an. Alle diese Kostenziffern sind grundsätzlich offen zugänglich und stehen meist selbst in den kleineren Werbeflyern. Ein wesentlicher Kostenunterschied vom Riester Fondssparplan zum herkömmlichen Fondssparplan ist nicht gegeben.

Die Rendite beim Riester Fondssparplan ist abhängig von der Wertentwicklung der Fonds und somit genau wie beim Riester Banksparplan variabel. Die Fondsgesellschaften leben von den Verwaltungsvergütungen der Fonds. Dafür erhält der Anleger eine aktiv gemanagte Geldanlage, in der Regel sogar mit Ablaufmanagement.

Die Ablaufleistung bei Riester Fondssparplänen ist grundsätzlich von allen Riester Varianten die Problematischste. Der Sparer legt bei Abschluss ja einen fixen (später aber meist verschiebbaren) Zeitpunkt für den Rentenbeginn fest. Das ist im Prinzip eine Wette auf den Tageskurs der Fonds zu diesem Zeitpunkt. Stehen die Börsenkurse gut kann der Sparer jubeln, stehen die Kurse schlecht - bekommt der Sparer nur einen Bruchteil dessen, was er vielleicht 2 Jahre später bekommen hätte.

Um diesem Problem vorzubeugen, bieten Riester Fondssparpläne in der Regel ein Ablaufmanagement unterschiedlicher Qualität. Heißt vereinfacht nichts anderes, als das mit zunehmender Nähe zum Rentenbeginn immer stärker in festverzinsliche Wertpapiere umgeschichtet wird. Somit lässt sich das erreichte Anlagevermögen über die letzten Jahre praktisch konservieren.

Für den Sparer gibt es mehrere Möglichkeiten. Risikofreudige Sparer setzen den Rentenbeginn weit nach hinten um möglichst lange in Aktien investiert zu sein und können den Rentenbeginn nachträglich nach vorn verlegen. Realistische Sparer sollten es andersrum lösen, Rentenbeginn zunächst sehr früh wählen und später nach hinten verschieben - so sichert man sich die Ablaufleistung selbst am effizientesten ab.

Die Auszahlung erfolgt wie beim Riester Banksparplan zum einen aus dem Vertragsvermögen, zum anderen wird je nach Art des Produkts ein Teil des Kapitals in eine Rentenversicherung einbezahlt, um das Langlebigkeitsrisiko abzudecken.

Riester Rentenversicherung - Kosten, Rendite, Ablaufleistung

Die Riester Rentenversicherung ist im Prinzip nichts anderes als die ungeförderte private Rentenversicherung. Der Sparer zahlt in den ersten Jahren der Ansparzeit die Gebühren für den Abschluss. Die können je nach Produkt auch schnell mal im zweistelligen Prozentbereich liegen. Je länger die Spardauer, desto höher das erwartet Vertragsguthaben und von diesem wird die Abschlussgebühr vereinfacht gesagt prozentual erhoben.

Richtig bösartige Kostenfallstricke sind beispielsweise Dynamisierungen. Die Dynamik ist im Wesentlchen nichts anderes als ein Eingeständnis der Unfähigkeit von Versicherungsvertretern Inflationsszenarien zu berechnen. Das Prinzip ist einfach gesagt: "Wieviel ist Ihr Geld in 20,30,40 Jahren noch Wert?", bzw. was können Sie von 100 Euro in 30 Jahren noch kaufen. Die Antwort der Versicherungsmenschen darauf ist vereinfacht: "Keine Ahnung, deswegen sollten Sie zur Sicherheit einfach jedes Jahr ein bisschen mehr einzahlen, dann schaun wir mal was passiert."

Problem bei der Dynamik: Die anfänglich gering erscheinenden, moderat ansteigenden Beiträge blähen die prognostizierte Vertragssumme erheblich auf. Sie erinnern sich, die Abschlussgebühren werden prozentual von diesem nicht vorhandenen Geld erhoben.

Die weiteren Kosten einer Riester Rentenversicherung hängen vom gewählten Produkt ab. Es gibt die klassischen Rentenversicherungen und fondsgebundene Rentenversicherungen. Erstere erheben jährliche Verwaltungsvergütungen, die kaum unterhalb der von Fonds liegen. Nur die Renditeerwartung einer klassischen Rentenversicherung liegt kaum über der von Riester Banksparplänen, jedoch klar unter der eines Riester Fondssparplans.

Bei der fondsgebundenen Riester Rentenversicherung zahlen Sie ergänzend zu den Gebühren der Versicherer noch die Verwaltungsvergütung der Fonds.

Die Ablaufleistung ist hingegen denkbar einfach. Der Gesetzgeber schreibt für die private Rentenversicherung und für die Kapitallebensversicherung eine garantierte Mindestverzinsung vor. Nimmt man nun das angenommene Vertragsguthaben abzüglich der exorbitanten Kosten und verzinst dieses fiktiv mit der gesetzlich verpflichtenden Mindestverzinsung, ergibt sich die so viel gelobte Rentengarantie.

Sie werden es nicht glauben, aber es gibt zahlreiche Kapitalversicherungen, bei denen die garantierte Ablaufleistung maximal genauso hoch ist wie die Summe Ihrer bis zur Verrentung eingezahlten Beiträge. Das liegt einfach daran, dass die Kostenquote bei Rentenversicherungen häufig höher ist, als die Mindestverzinsung.

Wesentlicher Unterschied der privaten Rentenversicherung zur Riester Rentenversicherung ist die UniSex Gestaltung. Somit sind zumindest die Frauen nicht explizit benachteiligt, wenn sie die Riester Variante wählen.

 

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